Leseprobe Akelei

Die Akelei (Aquilegia vulgaris) ist die vielleicht blaublütigste aller blauen  Blumen, die bereits im Mittelalter in Ziergärten blühte, eine besonders inspirierte Kreation der Natur.  Ihr Name leite sich vermutlich vom  lateinischen ‘aqua’ ab, so dass Aquilegia als die ‘Wassersammlerin’ übersetzt wird, wobei die Blütenblätter an sich ergießende Füllhörner erinnern mögen. Hildegard von Bingen erwähnt sie erstmals im 12. Jh. als Heilpflanze gegen Krampfanfälle, Fieber usw. Viele andere  Krankheiten wurden und werden bis heute in der Homöopathie (Schlaflosigkeit, Halsneurosen u.a.) mit Akelei behandelt. Die  Volksmedizin kennt sie sogar als Aphrodisiakum.
Die medizinische Bedeutung tritt aber gegenüber ästhetischen und  symbolischen Aspekten zurück. Ihre Blüte mit fünf gespornten Blättern, die sich nach unten wie gläserne Glocken öffnen, gab ihr Namen wie Zucker-, Tinten- oder Teufelsglocke. Sie kann auch an Schuhe,  Hosen oder  Hüte erinnern wie die Namen Elfenschuh oder Frauenschühli, Plump- oder Schlotterhose, Kapuzinerhütli oder Pfaffenkäpple belegen.
Die hübscheste Assoziation aber sind fünf blaue  Vögel, die im Kreise umeinander sitzen. Meist wurden dabei  Tauben phantasiert, die im Christentum für den Heiligen Geist stehen. Die Akelei blüht meist schon um Pfingsten, so dass ihre Blüte als ständige Anrufung des Hl. Geistes verstanden wurde. Ein Schwarm Tauben bedeutete symbolisch die Gemeinschaft der Gläubigen. Die Taube ist zudem ein  Christus- und  Mariensymbol. So blüht die Akelei in der Malerei gerne zu Füßen der Maria oder am Berg Golgota und war bzw. ist (wie alle blauen Blumen) eine häufige Begräbnis- und Friedhofsblume ( Tod). Die Fünfzahl der Blütenblätter wurde wie beim  Borretsch als Zeichen für die fünf Wunden Christi angesehen. In dem von oben betrachteten Bauplan der Akelei wurde die Form eines fünfzackigen  Sternes, eines Pentagramms gesehen. Dieses magische Zeichen symbolisierte im  Aberglauben den bocksfüßigen Teufel und den  Hexen- oder Drudenfuß, was in Verbindung mit der alten  Geister- und Dämonenfarbe Blau höchst heidnische Phantasien auslöste.